Fingerkraft beim Bouldern 

Fingerkraft und Kletterschwierigkeit beim Bouldern

von Franz Kaiser

Aus Erfahrung wissen wir, dass beim Bouldern die Maximalkraft der Finger von herausragender Bedeutung ist. Für eine kurze Zeit lastet ein Großteil des Körpergewichtes des Boulderers auf wenigen Fingern. Diese Belastung ist enorm und kann ausschlaggebend sein, ob man ein Boulder erfolgreich abschließen kann oder nicht.

Fragestellung

Ob unsere Erfahrung wissenschaftlich überprüfbar und wie groß der Einfluss der Fingerkraft auf die Boulderleistung ist, wurde in der Zulassungsarbeit von Franz Kaiser in der Blockhelden Boulderhalle in Erlangen untersucht. Als Bouldererfolg wurde die beste zweimal in einer Trainingseinheit gekletterte Boulderschwierigkeit definiert. Das Boulderniveau der 100 getesteten nicht-professionellen Boulderer war sehr unterschiedlich (Fb 4 bis Fb 8B).

Zuordnung der Farben zu Fontainebleau Graden

Zuordnung der Farben zu Schwierigkeitsgraden

Quelle: http://blockhelden.de/schwierigkeitsgrade-bouldern-klettern/

Testdurchführung

Gemessen wurde die Fingerkraft mittels maximaler einarmiger Entlastung über 1-2 Sekunden an einer leicht abgerundeten 12mm Holzleiste am Beastmaker 2000 Series Hangboard. Die gemessene Entlastung (absolute Fingermaximalkraft) wurde zur Auswertung in Bezug zum Körpergewicht des Boulderers gesetzt. Die Messungen wurden jeweils in zwei Fingerstellungen (4-Finger-halboffen und 3-Finger-hängend, siehe Abbildung) sowohl an der linken als auch an der rechten Hand durchgeführt.

Fingerkraftmessung

Testdurchführung der Fingerkraftmessung

Halboffene Fingerstellung mit vier Fingern

Halboffene Fingerstellung mit vier Fingern

Hängende Fingerstellung mit drei Fingern

Hängende Fingerstellung mit drei Fingern

Ergebnisse

Wie erwartet zeigte sich ein sehr hoher Zusammenhang zwischen der getesteten Fingermaximalkraft und dem Boulderniveau der Teilnehmer. Anfänger konnten etwa 30-40% ihres Körpergewichtes, sehr gute Boulderer sogar bis zu 95% ihres Körpergewichtes mit einer Hand entlasten.

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Dieser Zusammenhang war für beide Fingerstellungen der rechten wie auch der linken Hand in etwa gleich groß (r > 0,7). Über 50% der Leistungsunterschiede der Boulderer wurden durch die Fingermaximalkraft erklärt.

Dieses Ergebnis unterstreicht die Bedeutung der Fingerkraft beim Bouldern. Es lässt aber auch Raum (50%) für andere Faktoren, die zum Bouldererfolg beitragen. Zu wenig Fingerkraft ist also nicht die alleinige Ursache für das Scheitern bei einem Boulder. Trainingsprogramme zur Verbesserung der Fingerkraft findest du hier http://blog.klettertraining.de/?p=1024

Vielen Dank den Teilnehmern und den Blockhelden für die Unterstützung bei der Durchführung der Arbeit.

Literatur

Kaiser, Franz: Untersuchung des Zusammenhangs der Fingermaximalkraft und der gekletterten Schwierigkeit beim Bouldern. Zulassungsarbeit, FAU Erlangen-Nürnberg 2015

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